Edith Stein Stiftung

Die Schwestern des Karmel Maria vom Frieden möchten den Nachlaß der hl. T. Benedicta a Cruce (Edith Stein) dauerhaft sichern, um ihn der Nachwelt jederzeit zugänglich zu erhalten.

Dr. phil. Edith Stein, Dozentin der Philosophie, wurde am 9. August 1942 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Sie wurde geboren am 12. Oktober 1891 in Breslau als Tochter strenggläubiger jüdischer Eltern; nach eigenem Bekenntnis war sie vor ihrem 21. Lebensjahr Atheistin. Beim Lesen der Autobiographie der hl. Theresia von Avila fand sie den Zugang zum katholischen Glauben und empfing 1922 die Taufe. Sie studierte Philosophie und war Schülerin, zeitweise auch Assistentin, von Professor Edmund Husserl. In den Jahren darauf widmete sie sich neben ihrer Lehr- und Vortragstätigkeit dem Studium und der Übersetzung von Werken des hl. Thomas von Aquin. Zur Zeit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war sie Dozentin am Deutschen Institut für Wissenschaftliche Pädagogik in Münster, eine Stellung, die sie auf Grund der nationalsozialistischen Gesetzgebung als Jüdin alsbald verlor. Nach mehrjähriger innerer Vorbereitung wurde sie am 19. Juni 1933 vom Kapitel der Kölner Unbeschuhten Karmelitinnen zur Aufnahme in den Karmel vorgeschlagen und im April 1934 eingekleidet; am 21. April 1938 legte sie ihre Ewigen Gelübde ab.

Unter dem Druck der zunehmenden Judenverfolgung in Deutschland und der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 fasste der Kölner Karmel auf Bitten von Edith Stein, die ihre Kölner Mitschwestern nicht länger gefährden wollte, den Beschluss, in Echt um zeitweilige Aufnahme Edith Steins nachzusuchen. Nach Zustimmung der zuständigen römischen Instanzen reiste Edith Stein am 31. Dezember 1938 nach Echt ab. Da sie plante, sich von dort aus in die Schweiz zu begeben, blieb es bei ihrem Gaststatus in Echt. Am 10. Mai 1940 besetzten deutsche Truppen die Niederlande. Im November 1940 wurde Edith Stein amtlich als katholische Jüdin registriert. Auf Grund des Hirtenbriefes der niederländischen katholischen Bischöfe vom 26. Juli 1942 gegen die nationalsozialistische Judenpolitik in den Niederlanden wurde Edith Stein am 2. August verhaftet und mit anderen Personen jüdischer Volkszugehörigkeit nach Auschwitz deportiert, wo sie am 9. August 1942 ermordet wurde. Unter dem Pontifikat Papst Johannes Pauls II. wurde sie am 1. Mai 1987 als Märtyrerin selig und am 11. Oktober 1998 heiliggesprochen.

Als den Karmelitinnen in Echt im August 1942 klar wurde, dass an eine baldige Rückkehr der Deportierten nicht zu denken war, sicherten sie deren gesamtes Hab und Gut einschließlich ihres schriftlichen Nachlasses. Nur zufällig entging dieser in den letzten Kriegswochen der Vernichtung. Nachdem er wieder aufgefunden worden war, brachte man ihn in das von Professor van Breda OFM geleitete Edmund Husserl-Archiv der Universität Löwen. In der Folgezeit ist dieser Nachlaß von Löwen in das eigens gegründete nicht rechtsfähige Internationale Edith Stein-Institut der Bayerischen Ordensprovinz OCD nach Würzburg überführt worden.

Über die Eigentumsrechte am geretteten schriftlichen Nachlaß Edith Steins entstand ein Jahrzehnte dauernder erbrechtlicher Rechtsstreit zwischen dem Karmel in Echt und dem Karmel in Köln, in den auch die beiden Ordensprovinzen der Karmeliten in den Niederlanden und in Bayern involviert waren. Die entscheidende Frage war, ob Edith Stein zum Zeitpunkt ihres Todes kirchenrechtlich noch Konventualin des Kölner Karmel oder in den Echter Karmel inkorporiert war. Im letzteren Falle wäre der Echter Karmel Erbe geworden. Heute steht zweifelsfrei fest, dass Edith Stein zum Zeitpunkt ihres Todes Konventualin des Kölner Karmel war. Heute sind sich alle an der Kontroverse beteiligt Gewesenen darüber einig, dass die Eigentumsrechte, und damit die Urheber- und Verwertungsrechte, beim Karmel in Köln liegen.

Der schriftliche Nachlaß befindet sich jetzt im Kölner Karmel, Kloster Maria Frieden, Köln, Vor den Siebenburgen 6, 50676 Köln. Er wird in einem eigens hierfür eingerichteten Edith Stein-Archiv (Rechtsträger: Kloster Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel e.V.), getrennt von den Archivalien des Kölner Karmel, verwahrt, konservatorisch betreut und wissenschaftlich bearbeitet